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Montag, 2. April 2018, 00:02

Restaurierung eines Variant-Dachhimmels

Anmerkung: Diesen Beitrag hatte ich bereits 2016 eingestellt. Bei Wartungsarbeiten an der Forums-Software letzten Winter, ging er leider verloren und galt seither als vermisst... Mist! Also, auf ein Neues.

Hallo Passanten.


Vor geraumer Zeit habe ich begonnen den
Dachhimmel meines Passat Variant wiederherzustellen. Viele kennen den traurigen Anblick, wenn der Stoff wie eine dicke Regenwolke über dem Kopf hängt. Was tun um das zu ändern?


Zwei Wege boten sich an:
  1. Man sucht sich ein gut erhaltenes
    Exemplar, baut es ein und fertig


  2. Man macht sich eine Menge Arbeit
    und restauriert den alten Himmel
Ich hatte mich für die zweite
Möglichkeit entschieden. In diversen Forumsbeiträgen hatte sich
gezeigt, dass auch einige andere Mitglieder vor der Aufgabe stehen,
sich in irgendeiner Weise früher oder später um ihren Dachhimmel
kümmern zu müssen.

Aus diversen Tipps und Berichten in
diesem oder anderen Foren sowie eigenen Überlegungen habe ich mir
einen Plan ausgearbeitet. Dessen Umsetzung habe ich hier stark komprimiert dokumentiert
und beschrieben und hoffe dass sie dem Ein oder Anderen Hilfe oder
Anregung für den eigenen Passathimmel sind.

Ich hatte mir zum Ziel gesetzt die alte Schale zu behalten und dafür
zu sorgen, dass der Himmel wieder fast so schön aussieht wie am Tag der
Erstzulassung.



Fangen wir an...

bild 0

Diesen Sprüh-Klebstoff habe ich
benutzt. Er ist leider nicht ganz billig. Trotzdem sollte man sich
nicht von der Verbrauchsangabe von ca. 4qm /Dose auf dem Datenblatt,
dazu verleiten lassen, nur eine Dose für einen kompletten Himmel
bereitzuhalten. Das reicht niemals und endet mit einem langen
Gesicht! Diese Angabe stellt das absolute Maximum dar - bei
einmaligem Kleberauftrag auf nicht saugfähigem und glattem
Untergrund.


Der Himmelstoff ist aber mit einem sehr
porösen und saugfähigen Schaum kaschiert. Diesen muss man
mindestens zweimal einsprühen. Auch die Schale, obwohl nicht saugfähig, habe ich zweimal eingesprüht um möglichst keine blinde Stellen
(Taschen) zu erzeugen.


Ein weiterer Grund für diesen Kleber
war schlicht die simple Art des Auftragens, nämlich sprühen. Andere
Kleber die mit Pinsel aufgetragen werden müssen, bergen die Gefahr
dass sich der Leim dabei bis auf die Oberseite des Himmelstoffes
durchdrückt. Ferner bescheinigt das Datenblatt dem Leim einen
Einsatzbereich von -30°C bis zu +95° C Umgebungstemperatur. Wie
heiß es im Sommer im Innenraum werden kann weiss wohl jeder...


Es sei noch erwähnt, dass es sich von
selbst versteht Schutzbrille, Handschuhe und Atemschutz anzulegen
wenn mit derlei Chemikalien oder Werkstoffen umgegangen wird!




Ausbau

bild 1

Der Ausbau gelang leider nur in Fragmenten. Elegant wölbte sich der
abgelöste Himmelstoff Richtung Erdmittelpunkt. Der Erstbesitzer
hatte eine sog. Baumarkt-Luke nachträglich eingebaut, wodurch die
ohnehin bruchempfindliche Styrolschale (expandiertes Polystyrol, kurz
EPS) der Facelitmodelle noch fragiler wurde.


Vermutlich
brach sie schon bei diesem Umbau in Stücke und nur der Stoff,
hat die Bruchstellen gnädig überdeckt.



Säuberung

bild 4

Nachdem alle Teile ausgebaut und in die Werkstatt gebracht waren, ging es im
nächsten Schritt um die Säuberung der Schale von alten Kleber- und
Schaustoffresten nachdem zuvor der Himmelstoff vorsichtig abgezogen
wurde. Am besten ist es, den Stoff flach (im 180°-Winkel)
abzuziehen, damit die Schale nicht bricht falls der Kleber mal wider
Erwarten noch fest klebt.

Zum Ablösen der Kleber- und Schaumreste hat sich normaler Brennspiritus
bewährt. Eine kleine Lache Spiritus auf die Schale geschüttet und dann sofort mit
Küchenpapier abwischen.
Auch nach drei Durchgängen bleibt die Oberfläche noch immer leicht
klebrig aber das ist i.O. für die weiteren Arbeiten.

ACHTUNG:
Bitte kein Aceton benutzen. Das Zeug löst Styrol im Nu auf und alles
war für die Katz`.


Reparatur
bild 9

Nach dem Säubern habe ich alle Teile mit Styroporkleber wieder
zusammengeklebt und provisoriech mit Gewebeband fixiert. Größte
Vorsicht beim Ablösen des Klebebandes! Schnell reißt man die
Kunststoffkaschierung mit runter.



Reparatur


bild 12

Sämtliche Bruchstellen sowie die Löcher für Schrauben, Deckenbeleuchtung,
Scharniere, etc. habe ich mit Glasfasermatten verstärkt. Das
verwendete Epoxydharz kommt aus dem Bootsbau und hat den Vorteil dass
es Styrol nicht angreift. Nach dem vollständigen Aushärten wurden
die Kanten und - wenn nötig – auch die Oberfläche des
Glasfaserflickens mit dem Stabschleifer bzw. Schmirgelpapier
geglättet.



Reparatur

bild 12a

Um die gesamte Himmelschale in ihrer Form zu verstärken, habe ich zwei
Längsstreifen Glasfaserband entlang der Befestigungslöcher
laminiert.


Beim nächsten Passathimmel würde ich die Längsstreifen auf der
Rückseite anbringen, weil sich deren Kanten später trotz
Abschleifens leicht durch dem Stoff abzeichnen - das hatte ich
unterschätzt.



Reparatur

bild 18 +18

Zuletzt wurden die Außenkanten mit umgeschlagenen Glasfaserband verstärkt.

Das ist nicht ganz einfach:
Dazu muss das Harz eingedickt werden damit es nicht wegfließt.
Das durchtränkte Gewebe muss satt an der Himmelschale anliegen und
sollte möglichst keine Lufteinschlüsse haben. Danach ist die Schale wieder ein zusammenhängendes Teil.



Bekleben

bild 25

Jetzt kommt der neue Himmelstoff dran.
Der Kleber lüftet ab und stinkt dabei beachtlich vor sich hin.
Wichtig hier, gleichmäßig und lückenlos den Kleber aufsprühen und
die Ablüftzeit einhalten.

Bevor es losgeht empfehle ich dringend
sich genau zu überlegen wie man vorgehen möchte und die Schritte in
Gedanken durchzuspielen.
Ich hatte mir überlegt in Abschnitten
vorzugehen, wie oben im Bild zu sehen. Die hochstehenden Seitenränder
kamen danach und zum Schluss die Kanten.
Wer wie ich einen Kontaktkleber
verwendet, sollte sich über Folgendes im Klaren sein:
  • ...dass beide Teile mit Kleber
    bedeckt sein müssen

  • die Ablüftzeiten genau
    einzuhalten sind

  • das keine Korrektur möglich ist!!
    Einmal berührt, für immer verbunden!

  • den Stoff nur mit der flachen
    Handfläche aufstreichen und dabei leicht festdrücken; nicht mit
    den Fingerspitzen drücken – das ergibt nur hässliche Dellen

  • in Sicken, Ecken oder Knicken mit
    dem ausgestreckten Finger feststreichen– nie punktuell drücken

  • Also uffbasse!




Bekleben
bild 30


Die Sache nimmt Gestalt an. Die Oberseite ist jetzt komplett verklebt. Nun kommen wir zu den Kanten

und den Löchern.


Bekleben

bild 32+32
So sehen versäuberte Kanten bzw.
Löcher von hinten aus....



Fertigstellung

bild 34

So sieht die fertige Rückseite aus....



bild 35

...und so der neue alte Himmel von
vorne.

Wie man sieht, keine Hexenwerk!

Voila!
Schöne Grüße
Greenhorn

Juergen

Administrator

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2

Montag, 2. April 2018, 13:49

Super, was ne Arbeit..... , die gebrauchten Himmel sind ja irgendwann auch fällig ..... :D

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3

Montag, 2. April 2018, 21:56

Woher bekommt man so einen "Himmerlstoff"? Ich glaube ich wechsel doch einfach den ganzen Himmel...
Hab schon einen liegen, aber falls da was schief gehen sollte...
Eve was here...

Ein gleichmäßiger Zündabstand von 144° bei einem Kurbelwellenkröpfungsversatz von 72° samt Zündfolge 1-2-4-5-3 nehmen dem Fünfzylinder auch bei hohen Drehzahlen die Geburtsfehler ungünstiger Massenmomente und taumelnden Schwingungsverhaltens. Sie geben ihm jenen sonoren Stakkato-Klang, der Gänsehaut erzeugt. Man nennt diesen Klang auch quattrophonie.

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4

Montag, 2. April 2018, 23:32

Zum Beispiel im Werksverkauf von Fa. Lindenfarb in Aalen-Unterkochen. Die stellen Himmel-Bezugsstoffe für z.B. Daimler und Renault her und hatten (vor Jahren) eine große Rolle davon mitten im Laden stehen.

Wie man allerdings von "außerhalb" da ran kommt, weiß ich nicht...

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5

Mittwoch, 4. April 2018, 17:08

Aha, Danke. Dann muss ich mal recherchieren oder mal meine Kontakte abklopfen... :)
Eve was here...

Ein gleichmäßiger Zündabstand von 144° bei einem Kurbelwellenkröpfungsversatz von 72° samt Zündfolge 1-2-4-5-3 nehmen dem Fünfzylinder auch bei hohen Drehzahlen die Geburtsfehler ungünstiger Massenmomente und taumelnden Schwingungsverhaltens. Sie geben ihm jenen sonoren Stakkato-Klang, der Gänsehaut erzeugt. Man nennt diesen Klang auch quattrophonie.

6

Mittwoch, 4. April 2018, 23:39

...woher ich den Himmelstoff habe?
Es war ein Zufallstreffer in der eBucht. Wenn man sich den Originalstoff von meinem Dachhimmel in Sauber vorstellt, sieht man fast keinen Unterschied. Leider hat der Laden den gleichen Stoff nicht mehr im Angebot. Musterstücke von anderen, ähnlich aussehenden Himmelsgeweben haben sie mir zwar kostenlos geschickt, aber die gefielen mir nicht. Mehrfache Anfragen ob eine Möglichkeit bestünde den Stoff nochmal zu beschaffen, blieben einfach unbeantwortet. X(

Auch von anderen Anbietern wollte nichts so recht passen. Dabei hätte ich ja jetzt noch einen Patienten in der Garage, der neu angehimmelt werden will. Bleibt also bloß: Augen & Ohren auf und weitersuchen.

@Johannes: Die besagte Fa. Lindenfarb ist - wie ich gelesen habe - gerade nochmal dem Firmentod von der Schippe gesprungen. Die Internetseite gerade im Aufbau. War das damals tatsächlich ein Werksverkauf wie du geschrieben hast? Dann hätte man doch einfach reinmarschieren können, oder? Na, vielleicht kann man ja da mal anklopfen und fragen.
Schöne Grüße
Greenhorn

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7

Donnerstag, 5. April 2018, 20:54

Lindenfarb ist alle paar Jahre nahe an der Pleite, das gehört bei denen zum Konzept...
Ja, die haben einen Werksverkauf, wo man einfach reinlatschen kann. Mit "von außerhalb" meinte ich: von weiter weg. Eve wohnt zwar nicht furchtbar weit weg, aber doch zu weit, um auf Verdacht hinzufahren. Ich weiß nicht, ob Lindenfarb das verschickt.

(OT: Lindenfarb hat in den Siebzigern alle Abwässer einfach so in den vorbeifließenden Fluss Kocher geleitet. Da sie Stoffe färben, konnte man an der Farbe des Gewässers immer sehen, was heute in der Produktion war. Flussabwärts liegt die Stadt Schwäbisch Hall, die ihr Trinkwasser aus dem Fluss entnimmt. Dort kam es farbig aus dem Hahn...)

8

Donnerstag, 5. April 2018, 23:52

(OT: Lindenfarb hat in den Siebzigern alle Abwässer einfach so in den vorbeifließenden Fluss Kocher geleitet. Da sie Stoffe färben, konnte man an der Farbe des Gewässers immer sehen, was heute in der Produktion war. Flussabwärts liegt die Stadt Schwäbisch Hall, die ihr Trinkwasser aus dem Fluss entnimmt. Dort kam es farbig aus dem Hahn...)
Ja ja, die gute alte Zeit! Früher war eben alles besser: Farbe im Gewässer, Tieffliger in der Luft und Blei im Sprit. Da wurde einem noch was geboten!
Und heute? Nur billige Plastikflocken im Bach, die Tiefflieger nicht mehr in der Luft, sondern in den Chefetagen der Autokonzerne....und wir kaufen ihre Autos!

Gut! Werksverkauf an Jedermann - das ist doch schon was. Aber echt zu weit weg :( . Na, vielleicht ergibt sich doch mal eine günstige Gelegenheit im Laufe des Jahres.
Schöne Grüße
Greenhorn

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9

Freitag, 6. April 2018, 20:21

Eve wohnt zwar nicht furchtbar weit weg, aber doch zu weit, um auf Verdacht hinzufahren. Ich weiß nicht, ob Lindenfarb das verschickt.
Na zur Not könnte man ja "die AAlener" mal fragen ob da einer... Mit 32b kennt sich zumindest der Alex aus...
Eve was here...

Ein gleichmäßiger Zündabstand von 144° bei einem Kurbelwellenkröpfungsversatz von 72° samt Zündfolge 1-2-4-5-3 nehmen dem Fünfzylinder auch bei hohen Drehzahlen die Geburtsfehler ungünstiger Massenmomente und taumelnden Schwingungsverhaltens. Sie geben ihm jenen sonoren Stakkato-Klang, der Gänsehaut erzeugt. Man nennt diesen Klang auch quattrophonie.

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